KEINE MACHT DEN DOOFEN

Was ich schon immer mal loswerden wollte

  1. Einleitung

  2. Der "Rechtsstaat"

  3. Arbeitslosigkeit

  4. Gleichberechtigung

  5. Religion

  6. Politiker

Religion

Auf dieser Seite:

ein paar Bonmots

Ohne Religion würden gute Menschen Gutes tun und böse Menschen Böses. Aber damit gute Menschen Böses tun, dafür bedarf es der Religion.

Steven Weinberg (Physik-Nobelpreisträger)

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Philosophie ist, wenn man trotzdem denkt. Und Religion ist, wenn man trotzdem stirbt.

Jürgen Becker (Kabarettist)

Der erste Schluck aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, doch auf dem Grund des Bechers wartet Gott.

Werner Heisenberg (deutscher Physiker von Weltrang)

Die Gesundheitsminister warnen: Religion tötet. Religion darf an Jugendliche unter 18 Jahren nicht weitergegeben werden.

Ulrich Beck (Soziologe)

Informationen

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die professionelle Sicht der Dinge

Natürlich kann man sich viel professioneller, akademischer mit dem Thema auseinandersetzen, als ich es hier – "hobbymäßig" – tue. Daher lohnt sich ein Blick auf diese Seiten:

Richard Dawkins

Ich lese gerade Richard Dawkins' (Wikipedia: 2005 wurde er im Magazin Prospect nach Noam Chomsky und Umberto Eco zum drittwichtigsten lebenden Intellektuellen weltweit gewählt, 2007 vom Magazin Time zu einem der 100 einflussreichsten Menschen der Welt.) The God Delusion (deutsch: Der Gotteswahn). Darin finde ich viele meiner Gedanken wieder und natürlich auch mir neue. Dawkins scheint übrigens ein Fan von Sam Harris zu sein; dem werden ich mich demnächst widmen. Ein paar Stichworte:

Auf seiner Webseite hat er einen Bereich, in dem er Berichte von Ex-Gläubigen präsentiert. Der umfangreichste ist nur verlinkt, es ist ein 20-Seiten-Artikel eines Philosophie-Professors, der auch sehr schön zeigt, warum Kinder in religiöser Hinsicht vor ihren Eltern beschützt werden müssen.

Ein SPIEGEL-Interview mit ihm.

Der britische Theologe Alister McGrath, bemerkenswerterweise ein zum Christentum konvertierter, wissenschaftlich vorgebildeter Ex-Atheist, hat ein Buch geschrieben, damit die Gläubigen den Argumenten ihrer Freunde, die Der Gotteswahn gelesen haben, etwas entgegenzusetzen haben: Der Atheismus-Wahn. Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich neugierig war, was man Dawkins entgegensetzen kann, denn im Web hatte ich bis dahin fast nur Geschwafel gefunden. meine Einschätzung dieses Buches

Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten

Ein sehr schöner, allerdings langer Artikel auf der Webseite des Internationalen Bunds der Konfessionslosen und Atheisten e.V. mit dem vielsagenden Titel Das Märchen von der Bedeutung christlicher Wertevermittlung.

die möchtegern-professionelle Sicht der Dinge

Ich bin auf die Webseite eines englischen Bibel-Apologeten gestoßen, der sich umfangreich mit Kritik an der Bibel befasst. Auf dieser Seite fasst er zusammen, welche Kompetenzen seiner Meinung nach erforderlich sind, um auf seriöse Weise Kritik an der Bibel äußern zu können. Das ist im Grunde auch nicht abwegig, wirkt aber insofern ziemlich armselig, als das eine Buch dann strukturell genauso zu verstehen wäre wie jedes x-beliebige andere Buch. Wenn man der Bibel all die menschlichen Schwächen zugute hält, die zu diesen sprachlichen Problemen führen, wo bleibt dann die göttliche Inspiration? Im "inhaltlichen Kern", also "innen hui, außen pfui"? Da fehlt mir irgendwie das göttliche Flair.

So richtig albern wird es aber, wenn Gläubige und Kritiker mit zweierlei Maß gemessen werden:

Let's anticipate and toss off the obvious objection: Why did God make the Bible so hard to understand, then? It isn't -- none of this keeps a person from grasping the message of the Bible to the extent required to be saved; where the line is to be drawn is upon those who gratuitously assume that such base knowledge allows them to be competent critics of the text, and make that assumption in absolute ignorance of their own lack of knowledge -- what I have elsewhere spoken of in terms of being unskilled and unaware of it.

Es ist absurd anzunehmen, man könne ein kompetenter Leser (Interpret) der Bibel sein, ohne ein kompetenter Kritiker sein zu können. Natürlich ist es möglich, dass alle die inkompetenten Leser den wichtigsten Teil "zufällig" richtig verstehen. Das ändert aber nichts daran, dass das Werk natürlich schwer zu verstehen ist, wenn dazu kaum jemand in der Lage ist. Ein Gott wird es wohl nicht nötig haben, Religionskritiker dadurch zu behindern, dass er für die Quellenarbeit so hohe Hürden errichtet – um den Preis, dass die eigenen Gläubigen ganz überwiegend auch nicht wissen, was los ist.

Damit man grasping the message of the Bible to the extent required to be saved ernst nehmen kann, müsste festgelegt sein, welcher Umfang das sein soll. Klar, wenn Gott seinen lesend-irrenden Schäfchen ihre Missverständnisse alle nachsieht und dieser Umfang sich auf eine handvoll Sätze beschränkt... Aber welchen Anteil der Bibel verstehen die Ahnungslosen denn nun richtig? 50%, 10%, 1%? Das große Problem ist, dass die Bibel, auch falsch verstanden, ein Menschenbild erzeugt, das sich die Gläubigen zum Vorbild nehmen. Missverständnisse führen dann vermutlich nicht dazu, dass diejenigen nicht errettet werden, aber sehr wohl dazu, dass sie anderen das Leben zur Hölle machen.

Was ist denn das für eine Religion, in der nicht mal der normale Pfarrer kompetent genug (siehe seine Anforderungen) ist, um einem die Bibel zu erklären, und die ganz überwiegende Mehrheit der Gläubigen ausschließlich an den unkommentierten Originaltext hält und damit zwangsläufig herumdilettiert wie der Blinde mit den Farbeimern? Der Verfasser der genannten Webseite ist immerhin so konsequent, Pfarrer abzulehnen, die einem die Bibel nicht kompetent erklären können. Auf der anderen Seite entsteht durch diesen Interpretationszwang ein immenses Manipulationspotential. Dieser ganze Ärger wäre vermeidbar, wenn der Herrgott ein kleines bisschen Göttlichkeit hätte walten lassen und die Offenbarung brauchbar hätte formulieren lassen. Im Islam wird die literarische Qualität des Koran als Indiz für eine göttliche Herkunft gesehen (wobei auch der Islam vor Interpretationsproblemen nicht gefeit ist, also ein erklecklicher Mangel göttlicher Textqualität auch dort). Das kann die Bibel so gar nicht für sich in Anspruch nehmen.

göttliche und irdische Gründe religiöser Normen

Man sollte sich mal Gedanken darüber zu machen, wie eine Religion aussehen muss, damit sie überhaupt eine Chance hatte, von den (späteren) Gläubigen akzeptiert zu werden. Die meisten Kulturen damals haben – soweit ich weiß – homosexuelle und (zu) inzenstiöse Aktivitäten tabuisiert und bestraft. Wenn Gott das also nicht so eng sieht wie die damaligen Menschen, sondern eher so, wie wir heute, dann hätte er wohl gar keine Wahl gehabt, ob er ein entsprechend liberales Gesetzeswerk erlässt. Die unterentwickelten Kulturen der damaligen Zeit hätten ein "göttliches Recht", das Homo- und Bisexuelle gleichberechtigt neben alle anderen stellt, das den einvernehmlichen Sex grundsätzlich erlaubt, direkt in den Kamin befördert.

Es ist wahrscheinlich so, dass prinzipiell kein liberales göttliches Recht, das nicht mit den speziellen Mitteln eines Gottes gegen jeden Widerstand durchgesetzt wird (und das ist weder bei den Christen noch bei den Muslimen überliefert und auch bei den Juden nicht wirklich), zur damaligen Zeit hätte etabliert werden können (außer in entsprechenden Kulturen, etwa bei den Griechen). Damit wäre klar, dass es – völlig unabhängig vom göttlichen Willen! – heute ganz prinzipiell keine sowohl alte als auch liberal kodifizierte Religion geben kann (die in "normalen" Kulturkreisen entstanden ist). Daher kann man aus den restriktiven Sexualnormen der etablierten Religionen nicht auf den Willen Gottes schließen.

Kirche und Wissenschaft

Wie haben sie sich nicht lächerlich gemacht, die Allwissenden... Ich sammele mal Beispiele:

Zölibat

Sicher muss man diese Thematik mit "etwas" mehr theologischer Kenntnis betrachten, als mir das möglich ist, aber lustig sind diese Bibelstellen in Kombination mit der katholischen Realität dennoch:

Genitalverstümmelung und Beschneidung

Kein rein religiöses Problem – Idioten gibt es an allen Fronten –, passt hier aber am besten rein. Zunächst mal ist es unabdingbar, dass alle wissen, wovon man eigentlich redet: Wikipedia-Artikel zum Thema Verstümmelung weiblicher GenitalienWikipedia-Artikel zum Thema Zirkumzision (Beschneidung bei Männern)

religiöse Absurditäten in Wort und Tat

Wenn man sich als Desinteressierter und daher Uninformierter mit Religion befasst, kommt Erstaunliches zutage... Natürlich begeben sich viele Theologen und Gläubige auf das dünne Eis, dass die Bibel nicht wörtlich zu nehmen sei. Geschenkt. Aber wie soll man denn gewisse Aspekte der Bibel nehmen, bei denen einem fast zwangsläufig schlecht wird? Was soll denn eine "unverbindliche Offenbarung" sein? Und nach welchen Kriterien soll entschieden werden, welche Teile verbindlich sind? Sind das alle diejenigen, die uns heute nicht mehr völlig abwegig vorkommen? Warum sollte das so sein?

Mir wurde vorgehalten, es sei unpassend, hier eklige Bibelzitate anzuführen, weil sowieso kaum noch jemand, nicht einmal mehr die Pfarrer, für eine wörtliche Auslegung der Bibel eintrete. Das mag sein. Mein Punkt ist, dass die Bibel derart widerliche Aussagen enthält, dass nicht mal mehr eine göttliche Aura übrig bleibt. Und ich nehme an, dass viele diese Teile der Bibel nicht kennen.

Aber man muss das alles nicht glauben, denn zum Glück sind diese Passagen nicht göttlichen Ursprungs, sondern aus dem sehr weltlichen Gesetzeswerk der Assyrer teils wörtlich übernommen worden. Und da somit klar ist, dass die Bibel nicht komplett "original" ist, sondern wenigstens partiell eine Täuschung, kann man sie bzw. ihren Normierungsanspruch gleich ganz verbrennen, da nichts darin mehr dem Anspruch genügt, verlässlich die von Gott gesandte "Wahrheit" zu sein. Vielmehr fühlten sich die religiösen Instanzen zu jeder Zeit bemüßigt, ihren Gläubigen die Hucke vollzulügen.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts stand die Bibel in den Übersetzungen, die der Pöbel verstand, auf dem Index der katholischen Inquisition! Das sagt alles.

Judentum / Christentum

Jungfräulichkeit

5. Buch Mose, Kapital 22, Vers 13 ff. – Wenn eine Frau bei der Heirat nicht mehr Jungfrau ist, soll sie vor dem Haus ihrer Familie gesteinigt werden.

Aber der Gott der Juden und Christen ist sowieso psychisch schwer gestört: 5. Buch Mose, Kapital 28

Gott, der Killer – Völkermord im Namen/Auftrag des Allmächtigen

Der Gott der Juden ist ein Massenmörder. Wie würde man heute jemanden nennen, der wahllos Zivilisten abschlachtet, Kinder, Babys? Wie viel weniger hat der Judengott den Ägyptern angetan als Hitler den Juden (Es gibt ürigens eine völlig debile jüdische "Sekte", die den Holocaust für Gottes Strafe für die Sünden der Juden hält – wenn man erst mal glaubt, sind dem Schwachsinn, den man glaubt, keine Grenzen gesetzt)? Warum bringt man hunderttausende um – anstelle des Pharao selber? Nur mal so als Beispiel.

Und was für ein Gott ist es, der die Juden die Bewohner des gelobten Landes abschlachten lässt? Die Wege des Herrn sind unergründlich – schließt das alles als rechtfertigbar ein, wofür man Menschen als Verbrecher sondergleichen ansähe?

Aus http://www.bibleserver.com/go.php?lang=de&bible=LUT&ref=Jos6%2C4 (Jos 6,4):

2Aber der HERR sprach zu Josua: Sieh, ich habe Jericho samt seinem König und seinen Kriegsleuten in deine Hand gegeben.

17Aber diese Stadt und alles, was darin ist, soll dem Bann des HERRN verfallen sein. Nur die Hure Rahab soll am Leben bleiben und alle, die mit ihr im Hause sind; denn sie hat die Boten verborgen, die wir aussandten.

20/21So eroberten sie die Stadt und vollstreckten den Bann an allem, was in der Stadt war, mit der Schärfe des Schwerts, an Mann und Weib, Jung und Alt, Rindern, Schafen und Eseln.

Moses, der Lügner und Killer

Aus Wut über den Ungehorsam seiner Gefolgschaft missbraucht Moses den Namen seines Gottes und lässt auf dessen vermeintlichen Befehl hin 3000 Leute töten. Den Nichteingeweihten verstört schon, dass ein Mensch es wagt, die göttlichen Gesetzestafeln zu zerstören – aber bitte, man kann sich wohl alles zurechtlügen.

Azazel – himmlische Geheimnisse und Verbannung

Wofür man so alles in die Finsternis verbannt wird... in der jüdischen Mythologie jedenfalls auch dafür, dass man die Menschen die Herstellung von Schmucksachen, die Kunst des Schminkens und die Fertigung von Spiegeln lehrt. Na, bravo.

Lot – Töchter zur Massenvergewaltigung angeboten, später geschwängert.

Aus Wikipedia: Als zwei Engel in der sündigen Stadt Sodom nach "Gerechten" suchten, die von der drohenden Zerstörung Sodoms durch Gott gerettet werden sollten, nahm Lot die zwei Fremden bei sich auf. Die Männer Sodoms klopften alsbald an die Türe und forderten die Männer für sich, um mit ihnen Geschlechtsverkehr ausüben zu können, worauf Lot der Meute seine jungfräulichen Töchter anbot. [...]

Lot floh mit seinen Töchtern nach Zoahr, und als er am nächsten Morgen aus der Stadt Sodom Rauch aufgehen sah, bekam er Furcht und floh nach dem göttlichen Gebot in die Berge, und lebte dort in einer Höhle. Darauf sagten seine Töchter, dass kein Mann im Lande sei, welcher ihnen Nachkommen geben könne und machten ihren Vater betrunken und legten sich zu ihm und wurden schwanger.

Wow. Wer seine Schutzbefohlenen zur Vergewaltigung freigibt, ist also ein "Gerechter", jedenfalls in den Augen Gottes. Der naive Beobachter könnte sich natürlich auch fragen, wie clever Lot war, wenn er meint, dass übermenschliche Wesen ihre Probleme nicht ohne seine Hilfe lösen können (was sie in diesem Fall getan haben).

Edgardo Mortara – Kindesentführung im Auftrag des Papstes

Es ist schon ein bisschen her (1858), zeigt aber, zu welchen Grausamkeiten die Gläubigen in ihrer Verirrung reines Gewissens fähig sind. Die italienische "Religionspolizei" entreißt ein achtjäriges Kind seinen jüdischen Eltern, weil sein beklopptes katholisches Kindermädchen es heimlich getauft hat. Edgardo war schwer krank, und das Kindermädchen hatte Angst davor, dass er ungetauft sterben könnte. Alles "gute Christen", die darin involviert waren. Was damals "religiöse Wahrheit" war, ist heute ein Verbrechen. Was ist mit den "religiöse Wahrheiten" von heute?

Verbrecherorganisation – oder nicht?

So stolz die Kirchen (zwangsläufig) auf ihre Vergangenheit sind, so ungern werden sie daran erinnert: juristischer Streit über die Frage, ob es in Deutschland rechtmäß ist, die katholische Kirche als die größte Verbrecherorganisation aller Zeiten zu bezeichnen. Dass die gerne mal Amok laufende Justiz sich dabei mit mehreren Hausdurchsuchungen lächerlich macht (als könnten die prinzipiell zur Aufklärung eines Öffentlichkeitsdelikts nicht bestrittener Urheberschaft beitragen...), ist da nur eine gequält-amüsante Randnotiz.

Grundsätzliches (von mir)

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Wert religiöser Quellen

Wie viele Gläubige wissen, dass die Evangelien Jahrzehnte nach Jesus geschrieben wurden, dass die Bibel etwa 300 n.Chr. inhaltlich festgelegt wurde, dass der Koran 14 Jahre nach Mohammeds Tod geschrieben wurde?

Besonders vermessen finde ich, mit welcher Sicherheit religiöse Sektierer aus diesen Quellen den Willen "Gottes" ableiten. Tatsache ist: Wenn es einen Gott gibt, weiß kein Mensch verlässlich etwas über seine Beweggründe. Ob der Koran, selbst als Gottes Wort auch seinen Willen widerspiegelt, ist reine Spekulation. Vielleicht hat er mit den Erzengeln gewettet, wie dämlich die Menschen sind, ob sie wirklich jeden Mist glauben, den man ihnen vorsetzt. Für diese Äußerung würden einen sicher nicht wenige "gottesfürchtige" Gläubige auf direktem Wege zu ihrem Gott befördern. Und was sagen diese gefährlichen Verblendeten dann, wenn ER morgen erscheint und genau das mitteilt? Ist dann seine eigene Meinung unzulässig, wird ER dann gesteinigt, weil er sich selber lästert? <LOL>

Ich habe mal in irgendeinem Film den Spruch aufgeschnappt, Satans größte Leistung sei es, seine Existenz vor den Menschen zu verbergen. Selbst eine gläubige Muslima, mit der ich gerade allerlei durchleide, konnte mir nicht überzeugend erklären, wie sie (als pars pro toto für Normalsterbliche) unterscheiden will, ob Gott zu ihr spricht oder ob Satan sich als Gott tarnt. Die Einstellung Ich merke das! erscheint mir gelinde gesagt infantil. Wenn man sich mal den Wahnsinn ansieht, den der Koran zur Folge hatte, dieses unfassbare Ausmaß an Tod, Leid und Unterdrückung, dann müsste man dem Antichristen zu dieser Leistung wirklich gratulieren, wenn man sich mal auf den Standpunkt stellte, dass er der Urheber war. Denn was die Menschen mit all ihren charakterlichen und intellektuellen Mängeln aus einem zunächst einmal fast vernünftig klingenden Text machen würden, sollte für jemanden mit einigen tausend Jahren Erfahrung im Umgang mit diesen niederen Kreaturen und einem – gelinde gesagt – überlegenen Intellekt nicht schwer vorherzusagen sein. Ich an seiner Stelle hätte es jedenfalls so gemacht.

der "frisierte" Koran

Der Prophet unfehlbar? Der Koran Gottes Wort? Weit gefehlt. Die ach so gottefüchtigen Gläubigen haben sich in ihrer Hybris erlaubt, verbindlich zu erkennen, dass der Prophet an einer Stelle nicht Gottes, sondern des Teufels Wort widergab. Was für ein Frevel. Und deshalb haben sie in Sure 53 zwischen den Versen 20 und 21 ein bisschen was herausgestrichen.

Für mehr oder weniger dasselbe gibt es gegen Salman Rushdie eine Fatwa, die seine Ermordung fordert. Manche sind eben gleicher.

Voreingenommenheit religiöser Quellen

Manch einer hört es nicht gern, aber Schriften, auch religiöse, wurden von Menschen verfasst. Diese sind auch immer ein Kind ihrer Zeit, und "nicht einmal wir" Menschen von heute sind vollkommen. Wohl niemand heute nimmt die Lebensweise der Menschen vor 2000 Jahren ernst. Warum sollte ihre Art zu formulieren dann das Allerheiligste sein?

Anscheinend erst jetzt haben sich einige Leute darum bemüht, die durch Allzu-Menschliches in die Bibeltexte hineingeratenen Unzulänglichkeiten aufzuarbeiten. Dabei stellt sich heraus, dass mit guter historischer Begründung vieles Geschlechterdiskriminierende wegfällt.

Artikel bei SPIEGEL ONLINE vom 25. Oktober 2006

Diese neuen Übersetzung der Bibel entstand über fünf Jahre. 42 Frauen und 10 Männer haben daran gearbeitet. Das Buch heißt Bibel in gerechter Sprache. Die Interviewpartnerin des SPIEGEL, Übersetzerin und Herausgeberin, heißt Claudia Janssen und ist theologische Referentin der Evangelischen Frauenarbeit in Frankfurt. Das mag als Suchhilfe im Web dienen.

Respekt vor religiösen Gefühlen

Nach den Mohammed-Karikaturen kam MTV. Der renommierte Kultursender wollte eine Zeichentrickserie zeigen, die eigentlich für das britische Fernsehen gemacht wurde, dort aber auf Grund der Proteste einiger Gläubigen nicht ausgestrahlt wurde. Die Serie rückt den Vatikan in ein schlechtes Licht, macht sich über einen (unpersonalisierten) Papst und einige (ebenfalls unpersonalisierte) Kardinäle lustig. Der Stein des Anstoßes in Deutschland war weniger die Serie, dieses Land verkraftet ja einiges, bis moralische Entrüstung entsteht, sondern die Werbung dafür. Da sitzt Jesus mit der Dornenkrone im Sessel vor dem Fernseher, was mit Lachen statt Rumhängen kommentiert wird.

Und das ist für Christen nun also nicht zu ertragen. Sie verlangen, in ihren religiösen Gefühlen, die anscheinend nur sie selber festlegen dürfen (wie luxeriös), ernst genommen und respektiert zu werden. Man kann dazu sehr viel sagen, ohne weiterzukommen. Ich möchte mich daher kurz fassen. Ich bin in der Diskussion auf einen sehr interessanten Aspekt gestoßen. Gläubige können für sich wohl kaum mehr Respekt fordern, als sie bereit sind, Nichtgläubigen zuzugestehen. Wie respektvoll und wie herablassend sieht aber die Realität aus. An erster Stelle stünde da mal das Anerkenntnis, dass Glaube unvernünftig ist. Legitime Privatsache vielleicht, aber nicht den Regeln der Vernunft folgend. Wer als Gläubiger dazu nicht bereit ist, kann gleich wieder nach Hause gehen, denn dann hat sich jede Diskussion erübrigt. Daran misst sich dann auch der Grad des Zumutbaren, daran, dass diese Verhaltensweise unvernünftig ist.

Sollte doch jemand die Ansicht vertreten, es sei vernünftig, zu glauben, dann wüsste ich gern, welcher Religion man denn "vernünftigerweise" angehören muss. Wenn die Gläubigen sich darauf man einigen könnten, ist der Zeitpunkt gekommen, dass Nichtgläubige sich in die Diskussion einmischen, vorher nicht.

Wenn Gläubige Respekt von anderen fordern, dann muss klar sein, dass für diese anderen religiöse Normen eben nicht gelten. Ich sehe davon nicht viel. Die Stichworte Homosexualität, Abtreibung und Gentechnik sollten ausreichen, um jedem klar zu machen, dass die Gottesfraktion eben nicht davon lassen kann, die eigenen, unvernünftigen Maßstäbe an andere anzulegen, ja, sie ihnen aufzuzwingen. Weil ja die katholische Kirche, also die Kirche der Kreuzzüge, der Hexenverfolgung, der Ächtung Martin Luthers, des Dritten Reichs, der Päderasten und Pädophilen, der HIV-Ausbreitung, weil ja diese Kirche, wie selbst dekretiert, keine Fehler macht. Und am katholischen Wesen soll dann wohl die Welt genesen. Im Grund disqualifiziert sich jemand, der sich auf einen Glauben, insbesondere auf eine Kirche beruft, für jede Entscheidungsfindung, denn er spricht nicht als denkende Persönlichkeit, die ihre eigene Würde vertritt, sondern äfft bloß nach, und zwar im Zweifel jeden Scheiß, der ihm vorgesetzt wird. Inhaltliche Entwicklung ist darüber nicht möglich.

In einem Blog las ich die Bemerkung, die Forderung nach Respekt seitens der Kirche, komme ihm vor, wie die des Rauchers gegenüber dem Nichtraucher, dem er permanent seinen Qualm ins Gesicht bläst. Warum sollen denn Leute, die sich diesen Unsinn zueigen machen, nicht damit leben müssen, dass man sich darüber lustig macht? Die Kirche lebt ja gerade davon, dass sie sich unangreifbar macht. Das radikale Verbot anderer Götter im Judentum, Christentum und Islam an prägender Stelle besteht nicht ohne Grund. Es ist die Voraussetzung für die erfolgreiche, krankheitsgleiche Ausbreitung der Religion und das entscheidende Argument zur Erhebung über "Ungläubige" – und deren Richten. Ich denke, dass sich gerade dieser Unfug namens Religion wegen seiner Unvernunft und seiner höchst eigenen, von jeder Kirche im Laufe ihres Bestehens selber geschaffenen Erbsünde jedwede Provokation gefallen lassen muss. Wer sich selber intellektuell herabwürdigt (und dabei noch Leid über andere bringt), kann keine Bevorzugung verlangen.

Religionsfreiheit vs. Kirchenfreiheit

Die bei uns verbriefte Freiheit der Religionsausübung ist allen religiösen Spinnern natürlich wahnsinnig wichtig. Abschaffen kann man die nicht einfach – nicht nur aus rechtlichen Gründen. Aber man sollte mal anfangen, zwischen Religion und Kirche zu unterscheiden. Religion an sich richtet wohl nie Schaden an. Der einzelne mag sich sein Leben versauen, aber da er das nach den eigenen Maßstäben gerade nicht tut und für die eigene Blödheit niemand anderer verantwortlich gemacht werden kann, ist das ein akzeptables Problem. Ärger entsteht immer erst, wenn irgendwer einem anderen erklären will, was er zu tun und zu lassen hat.

Das ist an sich schon idiotisch, weil natürlich kein Mensch besser weiß als ein anderer, was ein Gott will und denkt. Es werden also immer nur persönliche Meinungen kundgetan, nichts anderes. Und alles andere sollte jeder Kirche strikt verboten werden. Dazu gehört vor allem das Einfordern von Gehorsam. Dadurch werden Menschen zu seelenlosen Idioten, die eine Gefahr für die Gemeinschaft darstellen. Es kann auch unmöglich Religionsfreiheit sein, sich von anderen alles vorschreiben zu lassen. Freiheit kann nicht ihre eigene grundsätzliche Aufgabe beinhalten, das ist logischer Unfug, da im Grundgesetz nichts von einer zeitlichen Begrenzung steht. Der Anspruch auf Freiheit ist nicht aufgebbar. Des weiteren sollte man sich mal überlegen, inwieweit religiöse Indoktrinierung eigentlich mit der Gewissensfreiheit vereinbar ist. Wenn man jemandem etwas vorwirft und dieser mit dem Hinweis auf einen Gott kontert und menschliche Werturteile (die dem Gewissen unterworfen sind) komplett ablehnt, dann ist dessen Gewissensfreiheit offensichtlich nicht mehr gegeben.

In diesem Sinne sollte der Einfluss der Kirchen auf ihre Gläubigen drastisch beschnitten werden. Wer dagegen verstößgt, wird verboten (durch das Verfassungsgericht). Der Staat muss sich die Einstellung zu eigen machen, dass weniger Religion für eine Gemeinschaft immer besser ist.

Psychische Gewalt gegenüber vielen Gläubigen – die Heuchelei

28. September 2006 — CSU-Fraktionschef Herrmann bläst seine wohlreflektierte Weltsicht hinaus: Mit abgeschlagenen Köpfen von Christus, Buddha und Mohammed zu provozieren, möge zwar zur Kunstfreiheit gehören, sei aber trotzdem zugleich Verhöhnung und psychische Gewalt gegenüber vielen Gläubigen. Herrmann plädierte zugleich dafür, den Widerstand gegen islamistische Gewalt wieder mit mehr Respekt vor den religiösen Gefühlen aller Mitmenschen zu verbinden.

Amüsant, amüsant, wie der Herr von der CSU die Täter-Opfer-Verteilung sieht. Was mir dazu in den Sinn kommt: Wie steht es denn um die psychische Gewalt, die auch heute noch von den Gläubigen (und insbesondere ihren Oberhirten) ausgeübt wird? Sind Gläubige nur fürs Austeilen zuständig und die anderen nur fürs Einstecken?

Eine spontane, alles andere als abschließende Auflistung von Beispielen:

Aber Psychoterror, der "nicht von Menschenhand gemacht" wurde, zählt wohl nicht.

Altmodischkeit religiöser Lehren

Gelegentlich fällt mal unangenehm auf, dass die Lehren der Religionen im Alltagsleben gelinde gesagt nicht auf der Höhe der Zeit sind. Das nimmt dann so absurde Züge an wie bei den Juden, die sich Gedanken darüber machen, ob es gegen das Sabbatverbot des Feuermachens verstößt, Auto zu fahren.

Man sollte einem Gott zutrauen, mit der Zeit zu gehen, aber können die Religionen auch mit ihrem Gott mithalten? Wenn Gott sich entschlösse, seinem Regelwerk ein Update zu verpassen, wie sähe das aus? Was würden die "gottesfürchtigen" Leute mit jemandem anstellen, der behauptet, er sei der Überbringer dieses göttlichen Nachschlages? Wie authentifiziert man sich als Prophet? Nicht alle anerkannten Propheten haben Wunder gewirkt. Der Auszug der Israeliten aus Ägypten wurde von einer Feuersäule angeführt – das ist ja schon mal was. Für Christen kann das kaum der Maßstab sein, denn die Bibelautoren (wie auch die meisten des Talmud) haben keine Wunder gewirkt. Und bei den Muslimen ist es ähnlich, auch Mohammed ist nicht durch Übermenschliches aufgefallen.

Wenn Gott also mal versucht haben sollte, ein paar Informationen auf unspektakuläre Weise nachzureichen, dann haben seine eifernden Anhänger seine unglücklichen Verkünder wohl umgebracht.

passive Religionsfreiheit der Kinder

Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößst.

Artikel 2 (1) Grundgesetz

Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

Artikel 3 (2) Grundgesetz

Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Artikel 4 (1) und (2) Grundgesetz

Das ist der rechtliche Rahmen zur Beurteilung dessen, was man Gläubigen erlaubt und verbietet. Ich lehne übrigens den Gedanken ab, dass man Juristen braucht, um sich die Grundrechte erklären zu lassen. Wenn ein Normalbürger die nicht versteht, dann taugen sie nichts.

Neben der aktiven (Mach, was Du willst) Religionsfreiheit gibt es natürlich noch die passive (in Ruhe gelassen werden). Man sollte sich mal überlegen, wie es in dieses Bild passt, dass Kinder regelmäßig von religiösen Eltern indoktriniert werden. Religion ist eine Gefahr, und jedes Kind hat Anspruch darauf, vor Gefahren geschützt zu werden; in diesem Fall ist das ein Anspruch auf eine eigenständige Entwicklung. Eltern erwerben durch die Geburt schließlich keinen Anspruch auf neue Angehörige ihrer Kirche. Zur Religionsfreiheit gehört meines Erachtens zwingend, eine reale Chance zu haben, sich selber zu entscheiden, was man denn möchte und was nicht.

Folglich haben Eltern jede religiöse Beeinflussung bis zu einem gewissen Alter, vielleicht 14, zu unterlassen. Nun ist das natürlich eine extreme Forderung und schwer durchzusetzen. Man soll auch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Praktisch bräuchte man also eine Grenzziehung, mit allen Problemen, die so etwas mit sich bringt.

Völlig klar ist aber, dass es nicht unter die geschützte Religionsausübung fallen kann, dass Eltern ihre Kinder gesellschaftlich benachteiligen, also etwa vom Sport-/Schwimmunterricht fernhalten wollen, ihnen keine Blutkonservern verabreichen lassen wollen, sie beschneiden zu lassen usw. Wem das nicht passt, der hat meinen Segen, nach Saudi-Arabien auszuwandern. Alleine. Bezogen auf die Indoktrination schlage ich eine abgestufte Zeitbeschränkung vor. Die sollte (formal) ausreichen, um zu verhindern, dass Kinder einem extrem religiösen Umfeld ausgesetzt werden:

Pluralistischer Religionsunterricht

Der Staat hat die grundgesetzliche Pflicht, Kinder und Jugendliche in die Lage zu versetzen, sich zu souveränen, selbständig denkenden und entscheidenden Individuen zu entwickeln. Der Staat versucht mit dem Jugendschutzrecht Minderjährige vor allerlei schädlichen Einflüssen zu bewahren:

Dabei geht es vor allem um die seelische Entwicklung, und das meiste hat seine Berechtigung. Wie aber steht es um die Befähigung zu einem aufgeklärten Umgang mit Religion? Durch das Fernhalten von Religion allein kann das nicht erreicht werden, damit vermeidet man allenfalls die religiöse Neigung zur Denkvermeidung: Das ist so, weil Gott es so will.

Das der Staat nicht die Inhalte des Religionsunterrichts festlegt, ist schon in Ordnung, denn ansonsten könnte er die oder einzelne Religionen/Konfessionen durch entsprechende Manipulationen diskreditieren. Was aber auch nicht sein kann, ist der status quo, dass den Kirchen staatlicherseits ihre unreflektierte Propaganda finanziert wird. Der Schüler darf nach dem Menschenbild des Grundgesetzes nicht nur mit freundlichen Warum man bei uns mitmachen sollte-Informationen und -Ansichten konfrontiert werden. Man bedenke: Die Konfessionen entscheiden darüber, wer Religionsunterricht erteilen darf! Ein Schüler, der Religionsunterricht besucht, muss in einer vorbildlichen Demokratie sowohl die Ansichten der dort vertretenen Konfession kennenlernen als auch die Kritik an speziell dieser.

Deshalb sollte ein Teil, vielleicht 20%, des Religionsunterrichts dafür reserviert werden, dass ein anderer, ein rein staatlich bestellter Lehrer die "Gegenposition" einnimmt. Die Schüler müssen erfahren, welche Ungeheuerlichkeiten in der Bibel stehen, was für ein Unheiliger der Gott der Juden und der Christen ist (vorausgesetzt, er wird in der Bibel zutreffend geschildert), wie willkürlich und widersprüchlich die Kirche mit ihren absoluten Wahrheiten agiert und welche unfassbaren Verbrechen – die in Summe durchaus in derselben Liga wie der Holocaust spielen – im Namen der Kirche oder direkt von ihr verübt worden sind; ganz zu schweigen von denen, die sie wortgewaltig gebilligt hat. Das würde auch den klassischen Religionsunterricht viel spannender gestalten, weil dort sicherlich einiges an Gesprächsbedarf entstünde.

Sex vor der Ehe

Es mutet schon strukturell lächerlich an, wenn fromme Menschen, also solche mit minimaler sexueller Erfahrung, am besten noch stolze Jungfrauen, anderen erklären, wie das mit dem Sex sei, welche Folgen der vor der Ehe habe. Da bleiben von den drei grundsätzlichen Diskursebenen Erfahrung, Empirie und Abstraktion nur die letzten beiden. Dass die Kirche jemals mit belastbaren soziologischen Erhebungen irgendwas in ihrem Sinne belegt hätte, ist mir nicht bekannt. Das wäre wohl auch zu einfach. Der zweite Aspekt, die abstrakte Betrachtung, hat einen verzweifelten Beigeschmack. Es drängt sich der Verdacht auf, dass da bar jeder Kenntnis etwas schöngeredet werden soll.

Ich werde hier mal nach und nach sammeln, was mir zu dem Thema über den Weg läuft (nicht nur Religiös-Motiviertes).

das Geschenk der erst- und einmaligen körperlichen Hingabe

Artikel bei SPIEGEL ONLINE vom 05. November 2007 — Täten uns die Katholen mal den Gefallen der nur einmaligen Hingabe – sie wären inszwischen wohl ausgestorben... Was schreibt nun der Vorzeigekatholik dazu?

Sex vor der Ehe zerstöre die Freiheit der Liebenden, sich für oder gegen den Partner zu entscheiden. Man dürfe nicht dem Partner das Geschenk der erst- und einmaligen körperlichen Hingabe (...) nehmen, bevor er sich für ein gemeinsames Leben entschieden hat. Man solle die Zeit vor der Ehe nicht als Wartezeit, sondern als Zeit der Prüfung der Liebe betrachten.

Oh, Mann... Was ist denn eine Entscheidung für den Partner? Sowohl die Entjungferung als auch die Ehe sind so eine Entscheidung. Für manch einen auch der erste Kuss. Dass nur der erste Sex in der Ehe eine Entscheidung für den Partner ist, erscheint abwegig. Welche Logik soll eigentlich hinter so einer Aussage stehen? Wieso verliere ich mit dem Sex die Wahl? Wenn ich erst heirate, habe ich keine Wahl mehr, mit wem ich zuerst Sex habe. Bei vernünftiger Betrachtung kann das Geschenk der erst- und einmaligen körperlichen Hingabe überhaupt nur dann in sinnvoller Weise (bezogen auf die Klassifikation als Geschenk) gemacht werden, wenn man vor der Ehe Sex hat – und zwar mit dem Menschen, den man dann anschließend auch heiratet. Es ist offensichtlich gehaltvoller (im Sinne der Exklusivität), mit nur einem Menschen Sex gehabt und schon vor der Ehe Sex gehabt zu haben, als mit nur einem Menschen Sex gehabt, aber erst in der Ehe Sex gehabt zu haben. Wenn man anstrebt, nur mit einem Menschen Sex zu haben, ist es ein erheblicher Vertrauensbeweis, schon vor der (dann natürlich schon geplanten) Ehe Sex zu haben. Vor der Ehe keusch zu leben kann man auch einfach als Angst interpretieren, dass der andere einen doch nicht heiratet.

Unter dem "Geschenk des ersten Mals" kann man sich natürlich etwas vorstellen, auch wenn man selber nicht dieser Denkschule angehört. Das menschliche Ego wird gern getätschelt. Man bildet sich etwas darauf ein, dass der andere vorher mit keinem anderen Sex gehabt hat. Aber was? Das ist auf jeden Fall ziemlich theoretisch. Wie sieht es aber ganz praktisch mit dem "Geschenk des guten Sex" aus? Welche sexuell erfahrene Frau ab Mitte, Ende zwanzig würde denn einen Mann heiraten, der noch Jungfrau ist? Jungfrauen gelten aus gutem Grund als Nieten im Bett. Dass ausgerechnet die frommen Jungfrauen da eine Ausnahme sein sollen, wäre als Behauptung sehr begründungsbedürftig. Wir können also mit einiger Berechtigung davon ausgehen, dass jungfräuliche Ehepartner den deutlich schlechteren Sex haben. Gleichzeitig natürlich auch die Gnade der Unwissenheit. Durchaus relevant ist, dass die Frauen in dieser Konstellation weitaus mehr leiden als die Männer. Das Prinzip kein Sex vor der Ehe ist also im Höchstmaß frauenfeindlich, aber das war die Kirche ja schon immer.

Man muss sich außerdem klar machen, dass dieses "Geschenk" ein ganz subjektives ist. Der Wert ist nicht absolut, sondern entsteht allein im Auge des anderen. Und da kann man schon mal fragen, wie er das denn genau sieht. Ist eine Nicht-Jungfrau irgendwie "schmutzig", undiszipliniert? Was ist mit verwitweten Menschen, die erneut heiraten möchten (oder ist das nicht gern gesehen)? Ob der Verlobte einen heiratet, hat man ebensowenig in der Hand wie den Zeitpunkt seines (natürlichen) Todes.

Gott hat Priorität in meinem Leben

Artikel bei SPIEGEL ONLINE vom 05. Januar 2007In der Bibel steht nirgends explizit, dass Sex vor der Ehe Tabu ist, es wird nur angedeutet. Aber es würde mich von Gott trennen, meine Beziehung zu ihm belasten. Es steht aber explizit in der Bibel, dass eine Frau, die sich nach der Hochzeit als Nichtjungfrau erweist, vor dem Haus ihres Vaters gesteinigt werden soll. Offenbar ist das für gläubige Christen verhandelbar. Wie man ernsthaft der Ansicht sein kann, eine nicht deutlich verbotene Handlung sei eine Sünde, ist mir ein Rätsel. Das mag das Bedürfnis sein, irgendwelche Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen, die als Prüfung zu sehen und sich dann toll zu finden. Und dann hofft man noch, dass er das ähnlich sieht...

Ich weiß, dass es ihm nicht gefiele, wenn es in meinem Leben mehr als eine Frau geben würde. Mit dem Wissen über göttliche Motive hat er's ja. Der naive Mitbürger hat doch gar nicht in der Hand, ob seine Angebetete ihn irgendwann verlässt. Und was dann? Nie wieder Sex, ab ins Kloster? Oder wird die erste Frau dann theologisch gestrichen, weil er nichts dafür konnte? Und wird sie auch dann gestrichen, wenn er ihr Grund gegeben hat abzuhauen? Kompliziert, kompliziert.

Ich habe einfach eine andere Einstellung zu Geschlechtsverkehr, Sex sollte nicht Basis einer Beziehung sein. Und ich will ihn mit der einen Person erleben, für die ich mich vor Gott entschieden habe. Der Reflektierteste ist er nun nicht gerade, der kleine Frömmler. Wer außer ihm hat denn mal den Gedanken gehabt, dass Sex die Basis einer Beziehung (und er meint sicher keine F*ckbeziehung) sein solle? Sex ist für klar denkende Menschen eine wesentliche Säule einer Partnerschaft. Die Ansprüche dieser Säule ignoriert er. Genauso könnte er auswürfeln, wen er heiratet. Das wäre ähnlich sinnvoll. Nichts, wirklich gar nichts hindert ihn daran, mit der einen Person, für die er sich vor Gott entschieden hat, Sex zu haben. Oder meinte er nur mit der? Das hätte dann nicht viel mit dem vorangegangenen Satz zu tun, aber in dieser Sphäre, in der alle immer "wissen", was Sache ist, sollte man keine zu großen Ansprüche an Sinn und Zusammenhang haben.

kein selbstdestruktives, respektloses Leben

Artikel bei SPIEGEL ONLINE vom 05. Januar 2007Straight Edge bedeutet für mich: keine Drogen, also auch keinen Alkohol, keine Promiskuität - kein selbstdestruktives, respektloses Leben eben. Drogen, Alkohol und Sex sind (in einem vernünftigen Sinn) nicht "selbstdestruktiv" (im Gegensatz zu einer dummen Keuschheitsentscheidung, die einen sexuell und vielleicht auch emotional verkrüppelt). Drogen-, also auch Alkoholmissbrauch ist selbstdestruktiv; Sex kann es sein (genauso wie Keuschheit).

Spannend ist natürlich die Frage nach dem Respekt. Was ist Respekt? Ist Ich vögele nicht mit Dir, weil ich mir dann wie eine Schlampe vorkäme Ausdruck von Respekt dem anderen gegenüber? Respektlos ist es, andere schlecht zu behandeln. Das hat mit Sex erst mal herzlich wenig zu tun. Weil der Sextrieb so stark ist, sind die charakterlichen Fehltritte (vor allem von Männern), um ihn zu bekommen, geradezu klassisch. Mit jemandem ein berauschendes Liebeserlebnis zu haben, das ohne Täuschung zustande kam, und zu dem anderen auch hinterher noch nett zu sein ist ganz sicher nicht respektlos. Respektlos ist Deine sexuellen Bedürfnisse sind mit egal. Natürlich ist niemand, schon gar nicht außerhalb einer Beziehung, verpflichtet, irgendwen erotisch zu beglücken, aber diese Idee kann man ja auch gesamtgesellschaftlich denken. Es wäre viel mehr im Sinne des Erfinders, respektvoll Sex zu haben, weil gerade der Mangel an Verfügbarkeit zu respektlosem Werbeverhalten führt. Abstinente sind für die anderen nun mal kein Vorbild, wie man besser, respektvoller Sex haben könnte. Auf Sex zu verzichten, weil man nicht respektvoll intim mit (mehreren) anderen umgehen kann, ist ein Armutszeugnis. Da wird mit der eigenen Unfähigkeit auch noch das eigene Ego poliert, indem man sie zur Ideologie aufbläst

Enteignung und rechtliche Umgestaltung der katholischen Kirche wegen ihrer Unvereinbarkeit mit den Werten des Grundgesetzes

der verfassungsrechtliche Rahmen von Religionsgemeinschaften

Artikel 4 des Grundgesetzes:

(1)   Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

(2)   Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Artikel 19 des Grundgesetzes:

(3)   Die Grundrechte gelten auch für inländische juristische Personen, soweit sie ihrem Wesen nach auf diese anwendbar sind.

Artikel 140 übernimmt eine Reihe von Normen aus der Verfassung der Weimarer Republik ins Grundgesetz. Der dortige Artikel 137 lautet (Ausschnitt):

(2)   Die Freiheit der Vereinigung zu Religionsgesellschaften wird gewährleistet. Der Zusammenschluss von Religionsgesellschaften innerhalb des Reichsgebiets unterliegt keinen Beschränkungen.

(3)   Jede Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes. Sie verleiht ihre Ämter ohne Mitwirkung des Staates oder der bürgerlichen Gemeinde.

Das ist – hoffentlich habe ich nichts Wesentliches vergessen – der (für meinen Ansatz) rechtliche Rahmen der Garantien, auf die sich die Kirchen und Gläubigen berufen können.

der grundsätzliche Konflikt zwischen Kirche und säkularem Staat

Genauso, wie die Kirche und die Gläubigen vom Staat in Ruhe gelassen werden wollen, haben die Nicht- und Andersgläubigen einen – jedenfalls ethischen – Anspruch darauf, von den religiösen Vorstellungen der jeweiligen Gläubigen verschont zu bleiben. Es ist nicht zu rechtfertigen, dass über den Umweg des Staates denjenigen, die nicht der eigenen Religionsgemeinschaft angehören, religiös motivierte Verhaltensmaßregeln auferlegt werden.

Das nicht systematisch lösbare Problem liegt in der Personalunion von Gläubigen und (wahlberechtigten) Bürgern. Irgendeine politische Meinung muss auch ein Gläubiger haben – und das kann natürlich "zufällig" dieselbe sein wie die seiner Kirche. Hier kann man nur an Vernunft und Anstand der Gläubigen appellieren, bei politischen Entscheidungen so sensibel zu sein, die Freiheit der anderen genauso zu respektieren, wie sie ihre eigene Religionsfreiheit respektiert wissen möchten.

Aus diesem Grund halte ich es für absolut inakzeptabel, dass die Kirche sich überhaupt politisch äußert. Jede Vorgabe religiöser Autoritäten zu politischen Fragestellungen ist eine Beeinflussung der politischen Individuen, die der jeweiligen Kirche angehören. Deshalb sollte den öffentlich-rechtlichen Sendern die Verbreitung kirchlicher Aussagen zu politischen Themen untersagt werden. Die Kirchen sehen sich nicht als normale Vereine, sie sind keine politischen Interessenvertretungen; sie nehmen für sich die Privilegien der Religionsfreiheit in Anspruch, die darauf basieren, dass Religion Privatsache ist, dann sollten sie auch die Einschränkung akzeptieren müssen, dass Kirche nur den einzelnen Gläubigen ansprechen darf, weil da die Grenze der Privatangelegenheit erreicht ist, aber eben nicht als politisches Kollektiv auftreten darf. Niemand hindert Gläubige daran, eine Partei oder einen Verein zu gründen, die bzw. der keine Kirche ist, deren Privilegien nicht genießt, aber dafür politisch aktiv werden darf. Dies in der Kirche selber zu machen, ist ein Missbrauch der Strukturen.

das Problem der katholischen Kirche

Das spezielle Problem der katholischen Kirche ist ihre hierarchische Struktur, die nicht innerhalb der Bundesrepublik Deutschland verwurzelt ist.

der inzestuöse Führungszirkel der katholischen Kirche

Die katholische Kirche beansprucht ein hohes Maß an Kontrolle über ihre Gläubigen. Da lohnt sich die Frage, wer diese katholische Kirche – in Abgrenzung zu den Gläubigen – eigentlich ist.

Die autoritären Instanzen der katholischen Kirche sind:

  1. der Papst

  2. die Kardinäle

  3. die Bischöfe

Wie verhalten sich nun diese Instanzen zueinander – und zum (unwichtigen) Rest der Kirche?

  1. die Kardinäle wählen den (nächsten) Papst

  2. der Papst ernennt die Kardinäle (und im Ergebnis auch die Bischöfe)

Es handelt sich also um ein abgeschlossenes System, um eine reichlich inzestuöse Variante der Machtverteilung.

Bei der Papstwahl sorgt ja angeblich der überirdische Einfluss dafür, dass die allzu menschlichen Kardinäle die "richtige" Entscheidung treffen. Man mag sich fragen, ob der heilige Geist ein Ressourcenproblem damit hätte, damit überfordert wäre, solche "richtige" Entscheidungen nicht nur im erlauchten Kreis der Kardinäle herbeizuführen, sondern auch auf niederen Ebenen.

interessante Artikel

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Boykott als katholischer Diskussionsbeitrag

Artikel bei SPIEGEL ONLINE vom 24. Oktober 2007 — Die katholische Kirche und der Sex – die sexuelle Revolution hat die lieben Oberhirten sicher bis heute schwer traumatisiert. Plötzlich wissen die Menschen Bescheid, haben gern Sex und treten aus der Kirche aus. Dem muss man entgegentreten. Bischof Algermissen dekretiert: Nach Auffassung der Kirche hat die Sexualaufklärung ihren originären Platz im Elternhaus und kann nicht Aufgabe einer Theatertruppe sein. Das heißt dann wohl: je weniger Aufklärung, desto besser. Der mitdenkende Staatsbürger mag sich auch fragen, ob Sexualaufklärung plötzlich kein verpflichtender Schulinhalt mehr ist. Sofern man nicht die fachliche und/oder pädagogische Kompetenz der Theatertruppe anzweifelt, was man im Fall der katholischen Kirche als Kritiker nur mit einem verzweifelten Schmunzeln quittieren könnte, drängt sich die Frage auf, warum Schule, aber nicht Theater? Vermutlich ist die Antwort, dass schon die Behandlung in der Schule der Kirche schwer zu schaffen macht.

Was macht eigentlich ein Thema zu einem privaten? Ein ideologisches Interesse an Informationsunterdrückung könnte so ein Grund sein. Ob es wohl Studien über die Qualität der katholischhäuslichen Sexualaufklärung gibt? Das wäre doch wirklich mal interessant. Leider muss man feststellen, dass ein uninformierter Jugendlicher eher dazu neigen wird, sich sexuell kirchenkonform zu verhalten. Das Bildungsideal der Kirche ist also der dumme Bürger. Wie eine Gesellschaft aussieht, in der Sexualaufklärung ihren originären Platz im Elternhaus hat, das wissen wir. Oswald Kolle lässt grüßen. Welchen theologischen Wert hat eigentlich eine sexuell befriedigte Frau (OK, Ehefrau, ich will es den Pfaffen mal nicht zu schwer machen)?

Besonders skurril ist der offizielle Inhalt der Kritik: einseitige Ausrichtung der Sexualität auf körperliche Zusammenhänge. Äh, ja. Wir halten mal fest: Über die körperlichen Aspekte der Sexualität lässt sich kaum streiten, über die sozialen dagegen extrem. Womit sollte sich also eine nicht bekenntnisgebundene Aufklärung primär befassen? Ein Einseitigkeitsproblem hat allein die Kirche, die eine geradezu pathologische Fixierung darauf hat, die körperlichen Aspekte der Sexualität zu verteufeln. Alles, was nicht in den vom katholischen Wahrheitsministerium abgesegneten sozialen Kontext eingebettet ist, ist bäh. Sex haben, weil man einfach mal Lust auf Lust und einen Orgasmus hat? Wo kämen wir denn da hin? Am Ende machen die Leute nur noch, wozu sie Lust haben und hören nicht mehr auf ihren Bischof... Da ist es natürlich sehr zielführend, den nichtkörperlichen Aspekt kein Sex vor der Ehe im häuslichen Bereich betonen zu lassen und gleichzeitig das körperliche Wissen zu minimieren, um dann bei der bekannt-wirksamen Kombination Angst und Unwissenheit zu landen.

Wann haben eigentlich mal zwei sexuell freizügige Gesellschaften gegeneinander Krieg geführt? Und wann zwei religiös fest verwurzelte?

Spaß mit der katholischen Diskussionskultur

Artikel bei SPIEGEL ONLINE vom 21. Oktober 2007 — Die Urheber der Gebärmaschinen-Verunglimpfung beweisen Defizite beim Einstecken. Was ist denn an der Titulierung durchgeknallter, spalterischer Oberfundi schlimmer als an seiner berühmt-berüchtigten Formulierung? Aber Maulen allein wäre ja nicht lächerlich genug, deshalb legen die Berufsrechthaber nach:

der fürsorgliche Umgang der katholischen Oberhirten mit ihren Kinderschändern

Artikel bei SPIEGEL WISSEN vom 17. September 2007 — Wie nennt man es, wenn jemand gegen Regeln (also Vorschriften oder drängende Empfehlungen) verstößt, eigenmächtig, im Verborgenen, ohne guten Grund (wenn man das eigene, übermenschliche Ego mal außen vor lässt), und dadurch gigantischen Schaden verursacht? Nennt man das Schuld, die derjenige auf sich lädt? Mit Schuld kennt die katholische Kirche sich natürlich aus, aber das taugt wohl nicht als Entschuldigung.

Das Schöne an dieser totalitären Kirche ist ja, dass auch nach solchen himmelschreienden Entgleisungen, die das blanke Entsetzen der zahlenden Schäfchen hervorrufen, nicht damit zu rechnen ist, dass der Verantwortliche auch zur Verantwortung gezogen wird. Man ist ja was Besseres. Was will die katholische Kirche eigentlich noch als Sünde vergeben, wenn so was in Ordnung geht?

Bischof Müller hat zwar kein Schuldbewusstsein, dafür aber ein angespanntes Verhältnis zum Konzept der "ganzen Wahrheit". Aber in den zehn Geboten fehlen nun mal die Fußnoten, die den so juristisch angehauchten Klerus auf dem rechten Weg halten könnten. Also geht Weglassen wohl in Ordnung, das ist noch weit von Lügen entfernt...

Tyrann und Herr über Leben und Tod

Artikel bei SPIEGEL ONLINE vom 21. August 2007 — In Deutschland: Für einen christlichen Fundamentalisten ist es völlig in Ordnung, aus seinen Kindern zuerst unterdrückte sexuell-emotionale Krüppel zu machen und sie dann auf Grund der Folgen umzubringen.

Fällt eine solche Gestaltung des Familienlebens auch noch unter die Religionsfreiheit?

katholische Kirche – Vertrauen und Lernfähigkeit

Artikel bei SPIEGEL ONLINE vom 08. Januar 2007 — Einige Leute versuchen in der katholischen Kirche die Messe wieder auf Latein halten zu lassen. Meinetwegen. Das erscheint zwar im Höchstmaß lächerlich, aber wenn der katholischen Kirche die letzten "Gläubigen" auf diese Weise noch schneller entzogen werden, ist das natürlich zu begrüßen.

Wirklich bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang ein Ausspruch Papst Benedikts, der bei aller geistlichen Fehlleitung irgendwo auch ein Intellektueller ist: Wer die Alte Messe verbietet, der ächtet damit die ganze Vergangenheit der Kirche. Wie sollte man ihrer Gegenwart trauen, wenn es so ist? Wahre Worte, lieber Papst. Daraus erwächst die spannende Frage, wie viel Vergangenheit geächtet werden muss, damit die Gegenwart nicht mehr vertrauenswürdig ist. 50 Jahre, 100, 200, 1000? Die Kirche hat sich irgendwann in neuerer Zeit entschlossen, Andersgläubige nicht mehr umzubringen. Wie steht es denn damit? Das ist doch ein echter Glaubwürdigkeitskiller. Und wie steht es mit der guten alten Hexenverbrennung? Inzwischen dürfen katholische Priester ja nicht mal mehr Kinder missbrauchen. Das ist der Kirche höchst unangenehm, und man tut sogar so, als werde dies verfolgt. Wo bleibt da die Tradition?

Das wahre Problem der katholischen Kirche ist diese Lachnummer der "Unfehlbarkeit" des Papstes. Aber diese Erkenntnis ausgerechnet von selbigem zu erwarten...

politische Einmischung – die katholische Kirche hat den Rubikon überschritten

Artikel bei SPIEGEL ONLINE vom 02. Februar 2007 — Der österreichische Unternehmer Richard "Mörtel" Lugner ist wegen seines "Sexualmedizinischen Zentrums", in dem auch Abtreibungen vorgenommen werden können, exkommuniziert worden. Der Bischof sieht darin ein Verstoß gegen Kirchenrecht.

Tatsache ist, dass die katholische Kirche eine Meinung haben darf – nicht mehr und nicht weniger als Herr Ligner. Aber die Kirche nimmt – verglichen mit Einzelpersonen – Privilegien für sich in Anspruch. Übern Herrn Lugners persönliche Situation weiß ich nichts, aber von den paar Leuten, die noch in der Kirche sind, sollte man annehmen dürfen, dass diese Zugehörigkeit einigen wichtig ist.

Die Kirche ist offiziell keine politische Organisation, sondern eine Glaubensgemeinschaft (oder sollte man treffenderweise von einer Glaubensdiktatur sprechen?). Wollte sie politisch werden, stünden ihr im Verhältnis zum Staat einige Probleme ins Haus. Solange sie ihre Privilegien mit dem Glaubenscharakter rechtfertigt, ist also staatspolitisch nicht hinzunehmen, dass sie Politik durch die Hintertür macht. Genau das tut sie aber, wenn sie ihre Mitglieder mit Ausschluss bedroht, sollten die sich in einzelnen Aspekten nicht kirchenkonform verhalten. Eine Provokation einer freiheitlichen Demokratie ist es spätestens dann, wenn die Kirche auf diese Weise versucht, geltendes Recht zu unterlaufen.

Wenn die Kirche die Ansicht vertritt, sich ihre Mitglieder aussuchen zu können, dann muss sie dasselbe auch auf der anderen Seite akzeptieren. Wenn also die Kirche den Staat und die Freiheit seiner Bürger schädigt, dann steht es dem Staat frei, die Kirche zu schädigen. Da die Kirche offenbar nicht bereit ist, geltendes Recht zu akzeptieren, muss man diejenigen, die sich dieser Linie unterordnen, als Gefahr für das Gemeinwesen ansehen. Konsequenterweise sollte man dann alle Kirchenangehörigen aus dem Staatsdienst entfernen, denn weder der Staat noch die (andersgläubigen) Bürger können denjenigen dann noch das unverzichtbare Vertrauen entgegenbringen. Wäre doch mal spannend, zu sehen, wie die Kirche ihren Standpunkt dann überdenkt, wenn sie in der aufgeklärten Gesellschaft den Ruch einer kriminellen Vereinigung bekommt.

HIV als Gottesgabe

Meine Ansicht, dass religiöse Fundamentalisten aller Art Spinner sind, wurde gerade mal wieder bestätigt. Artikel bei SPIEGEL ONLINE, 23. April 2006: Bisher hat die katholische Kirche den Gebrauch von Kondomen für Aids-Kranke oder HIV-Infizierte auch in der Ehe strikt abgelehnt. Was soll man dazu noch sagen? Da kann ich nicht mal mehr polemisieren, sondern nur noch die Internierung aller katholischen Würdenträger fordern.

Irre Christenfanatiker auf den Philippinen

Artikel bei SPIEGEL ONLINE vom 06. April 2007 — Es gibt doch tatsächlich Leute, die bekloppt genug sind, sich am Karfreitag (für ein paar Minuten) ans Kreuz nageln zu lassen und das dann auch noch für einen religiösen Dienst zu halten.

Tja, wie groß ist der Schritt von Ich bin ein besserer Mensch, wenn ich mir weh tue hin zu Ich bin ein besserer Mensch, wenn ich Dir weh tue?

Was haben die katholische Kirche und die Gewerkschaften gemeinsam?

Artikel bei SPIEGEL ONLINE vom 25. Mai 2007 — Genau: Wasser predigen und Wein trinken. Wie gingen diese beiden Pseudogutmenschen-Organisationen auf Arbeitgeber los, die sich so verhielten, wie sie es selber tun? Was würde nach Meinung der Kirche aus einer Gesellschaft ohne Religion? Ein unmenschlicher Raum, in dem der einzelne nichts mehr zählt, in dem es nur noch um Formalitäten geht? So was in der Art vielleicht? Aber ein Bischof darf eine Religionslehrerin ohne jeden Vorlauf rauswerfen, weil sie mehr unterrichtet, als sie durfte? "Vertrauensbruch", weil sie auch evangelische Religion unterrichten durfte? Die Kirche ist die Pest. Und diese Terrororganisation (in Europa hat nur der Vatikanstaat die Menschenrechtskonvention nicht unterzeichnet; die werden schon wissen, warum) genießt auch noch Privilegien. Rauswerfen sollte man dieses Pack aus den Schulen, in hohem Bogen. Ihre Selbstbeweihräucherung können sie dann in ihren eigenen Hallen betreiben.

Der Schaden liegt im Bruch des Arbeitsvertrages, sagt Bistumssprecher Lukas. Das kann sich kein Arbeitgeber bieten lassen. Ach, so ist das. Mehr moralischen Tiefgang hat man von einem Verein, der seine Kinderschänder immer schön in Schutz nimmt, wohl nicht zu erwarten.

die kirchengenehme Verargumentierung der Pille bei Einführung

Artikel bei SPIEGEL ONLINE vom 06. Juni 2007 — Manches Historische erscheint aus der gegenwärtigen Zeit heraus unfassbar: Einer der Erfinder der Pille, der strenggläubige amerikanische Arzt John Rock, hat den Einnahmerhythmus (21/7-Tage) ersonnen, um die Akzeptanz auf Seiten der Kirche zu erhöhen.

Die Pille würde bei Frauen mit unstetem Zyklus endlich für Regelmäßigkeit sorgen, argumentierte er, und ihnen somit die damals von Rom akzeptierte Kalendermethode ermöglichen. Ein krudes Gedankenkonstrukt, denn sie nahmen ja dann die Pille als Empfängnisschutz.