Erweiterung des Konzepts auf Firmen als Treiber

Version 1.0, 10.06.2005, Hauke Laging - hauke@laging.de

Motivation

Die Motivation einer Firma ist naturgemäß eine andere: Das Engagement muss sich wenigstens langfristig rechnen. Es ist also zunächst zu fragen, welche kommerziellen Anreize es für diesen Ansatz gibt.

Die Gewinnung neuer Kunden wäre durch die Präsenz als Sponsor bei neuen Veranstaltungen möglich. Die so erreichbaren Kundenkreise werden durch die in Frage kommenden Gebiete eingeschränkt, beschränken sich auf die Städte und Umgebung, in denen heute noch keine derartigen Veranstaltungen stattfinden. Durch die starke Einflussnahme auf die Organisation wäre es möglich, die Publikumszusammensetzung im eigenen Sinne zu optimieren. Außerdem würden der organisierenden Firma zumeist Rechte eingeräumt, die den anderen Sponsoren nicht angeboten werden (bei der Gestaltung des eigenen Auftritts usw.). Diese Sonderbehandlung ließe sich vertraglich auf die Folgejahre ausdehnen.

In einem zweiten Schritt - nach dem Aufbau entsprechender Reputation - ist vorstellbar, auch bereits bestehende Veranstaltungen zu unterstützen und auch diese in der Besucherzusammensetzung positiv zu beeinflussen.

Im Ausgangsfall würde also eine Sponsoringmöglichkeit erst geschaffen, im Erweiterungsfall würde lediglich der Nutzen für den Sponsor erhöht. Bei einem umfangreichen Engagement könnte ein messbarer Bekanntheits- und Imageeffekt in der Linuxszene erreicht werden. Die Erhöhung des Nutzens für den Sponsor läge nicht nur in der Schaffung von Veranstaltungen, also Sponsoringmöglichkeiten, und der Beeinflussung der Besucher, sondern auch in der Beeinflussung des Sponsorenumfelds. Wenn es gelingt, eine Reihe nicht wettbewerblich störender Firmen als Sponsoren zu gewinnen, hätte man auf den Veranstaltungen ein optimales Umfeld, denn die Vereine nehmen jeden, der zahlt, und wenn jemand gleich ein Bündel von Sponsoren anbietet, hat er natürlich gewonnen, was Beschränkungen der übrigen Sponsoren angeht.

Unter dem Gesichtspunkt der Rekrutierung neuer Mitarbeiter wäre die Aktivität in der Szene sicher auch von Vorteil (also auch der nichtöffentliche, rein organisatorische Teil). Man mag also einen Teil der anfallenden Kosten über dieses Budget abrechnen, so dass das Engagement im Ergebnis günstiger wird.

Die durch die Veranstaltungsorganisation entstehenden Kontakte zu Firmen und der Computerpresse könnten sich als hilfreich für das eigene Geschäft erweisen.

Nachteile

Grundsätzlich wird das Auftreten einer Firma in vielen Fällen den Argwohn gemeinnütziger Vereine wecken. Das Angebot muss also so ausgestaltet sein, dass entsprechende Bedenken ausgeräumt werden (können). Alles, was einer dauerhaften Bindung an die organisierende Firma nahekommt, ist in diesem Sinne sicher kontraproduktiv, aber auf eine Sonderbehandlung als Sponsor auch für die Folgejahre dürften sich die meisten potentiellen Partner einlassen, soweit sie dadurch nicht in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt werden. Außerdem muss der Eindruck vermieden werden, die ehrenamtlichen Helfer arbeiten im Ergebnis für das wirtschaftliche Interesse einer Firma. Dies dürfte aber primär ein Kommunikationsproblem sein.

Der Firmenstatus wird immer eine natürliche Grenze für die Intensität der organisationalen Zusammenarbeit mit Vereinen oder gar losen Zusammenschlüssen. Denkbar wäre - primär für später, falls sich der Ansatz als Erfolg erweist -, dass die Firma die Gründung eines entsprechenden Vereins unterstützt, um dem allgemeinen Unabhängigkeitsstreben der Partner entgegenzukommen.

Vorteile

Grundsätzlich ist der weitaus höhere Grad an Organisiertheit und Professionalität der Arbeit in einer Firma ein großer Vorteil. Hinzu kämen die Skaleneffekte, wenn viele Veranstaltungen in dieser Weise unterstützt würden. Weitere Effizienzgewinne entstünden dadurch, dass vieles, was für eine erfolgreiche Veranstaltungsorganisation nötig ist und einen Verein (und erst recht alles, was "weniger" als ein Verein ist) vor ernste Herausforderungen stellt: Arbeitsplanung und -überwachung (Projektmanagement-Werkzeuge), Buchhaltung/Controlling, Kontakt zu Presse oder alternativ PR-Leuten/Agenturen, die Erfahrung im Umgang mit Firmen als Sponsoren, die vorhandenen Kontakte und nicht zuletzt der rechtliche Rahmen an sich. Derselbe Effekt im Veranstaltungserfolg würde also mit einem Bruchteil der Zeit erreicht, wenn jemand in der organisierenden Firma sich nur oder überwiegend damit beschäftigte, zumal die ganzen Detaildiskussionen, wie etwas gemacht werden sollte, überwiegend wegfielen, weil man alles einfach so machte, wie man es immer macht, und viele Kontakte (zu Presse und Sponsoren) gebündelt werden könnten - wie im Grundkonzept beschrieben.

Ein interessanter Ansatz ist daher, sich speziell für diese Aktivität einen neuen Mitarbeiter zuzulegen, etwa einen Studenten als Teilzeitstelle. Dies lohnt sich natürlich nur bei entsprechend vielen betreuten Veranstaltungen. Auf der anderen Seite schaffte das Vorhandensein eines dedizierten Mitarbeiters auf Seiten der Partner ein hohes Maß an Vertrauen in den Nutzen dieser Zusammenarbeit.

konkreter Einstieg

Den potentiellen Partnern sollte ein Bündel von organisatorischen Leistungen angeboten werden, so dass für die Betroffenen gleich erkennbar wird, was sie noch leisten müssen. Je transparenter dies ist, desto eher wird jemand zu einer Zusage bereits sein. In den Fällen, in denen kein Verein vorhanden ist, wäre zu überlegen, denjenigen anzubieten, die ganze Zahlungsabwicklung über die Firma laufen zu lassen. Da die Kosten einer kleinen Veranstaltung im Bereich weniger tausend EUR manchen Verein vor ein ernstes Liquiditätsproblem stellen, könnte man sich das Wohlwollen einiger Vereine (auch bei bestehenden Veranstaltungen) "erkaufen", indem man auch diesen die finanzielle Abwicklung anbietet, was effektiv einem Dispositionskredit gleichkäme, den Vereine aber in der Regel nicht haben. Eine für eine Firma irrelevante Liquiditätsverschiebung um 3000 EUR kann über Wohl und Wehe einer solchen Veranstaltung entscheiden. Hinzu käme ganz nebenbei noch ein interessanter Punkt, der vielen Vereinen gar nicht klar sein mag: Wenn die anderen Sponsoren, Aussteller usw. die Verträge mit oder zumindest über eine Firma abschließen, wird das Risiko von Zahlungsausfällen kleiner, weil dann eine professionelle Inkassomöglichkeit unmittelbar zur Verfügung steht - der Horror jedes Vereins.

Als Vorbereitung sollten im Vorfeld der Kontaktierung der Linux User Groups einerseits ein allgemeiner Plan zur Durchführung einer solchen Veranstaltung erarbeitet werden (da kann man sicher auf die Erfahrungen der bestehenden Veranstaltungen zurückgreifen, zumindest dann, wenn man als Sponsor auftritt). Außerdem sollten bereits Kontakte zu Firmen als Sponsoren und potentiellen Ausstellern sowie privaten Linux-Aktivisten als Vortragenden geknüpft werden. Für beides, wie auch die Seriösität des Angebots aus Sicht der Partner, wäre es von Vorteil, vorher als Aussteller bei anderen Veranstaltungen aufzutreten. Auf diesem Weise bekäme man Know-How, Anregungen für Verbesserungen, könnte die guten Ideen aller Veranstalter kombinieren und hätte Kontakt zu Ausstellern und Vortragenden.

Ganz generell ist natürlich auch vorstellbar, sich eine Partnerfirma für dieses Projekt zu suchen - ganz im Sinne des Netzwerkgedankens. Man hätte mehr Kontakte, das Vorhaben erschiene noch ernsthafter, und da der Arbeitsaufwand nicht größer würde, könnte man sich den Studenten auch noch teilen. Durch geeignete Auswahl der Firma ließen sich auch wirtschaftliche Bedenken ausräumen.