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Vermittlung von Linux-Kleindienstleistern
V 1.0 - 07.10.00



Die Linux-Szene krankt meines Erachtens gewaltig an der mangelnden Verbreitung qualifizierter Leute, die kostengünstig aushelfen, wenn es Probleme gibt. Zumindest außerhalb der Großstädte scheint es sogar zum Probem zu werden, in der überschaubaren Umgebung überhaupt einen professionellen Dienstleister zu bekommen. Dies scheint mir sehr hinderlich für die Verbreitung von Linux, da Hilfestellung hier wie nirgendwo sonst angebracht erscheint, und als Potential für die Fachpresse.

zwei Perspektiven des Problems

Linux-Interessenten, die sich im Klaren darüber sind, dass sie alleine kaum mit dem neuen System klarkommen werden, verzichten auf das riskante Experiment, weil sie nicht wissen, wie und wo sie qualifizierte Hilfe bekommen. Für solcherlei Arbeiten qualifizierte und daran interessierte Leute bieten sie vermutlich nur selten an, weil sie nicht wissen, wie sie dies sinnvoll tun sollen. Es fehlt also einerseits an einem Marktplatz, der Anbieter und Nachfrager zusammenführt, andererseits an einer Behandlung der Qualifikationsfragen, die sicher nicht nur die Nachfrager, sondern auch potentielle Anbieter berühren („Bin ich eigentlich gut genug dafür - oder wofür genau?“). Beides kann eine Computerzeitschrift leisten.

Schaffung eines Marktplatzes

Die Einrichtung eines Marktplatzes dürfte technisch keine große Herausforderung sein. Etwas größer würde sie, wenn man den Kreis der Anbieter auf Abonnenten („o.ä.“) beschränken wollte. Ein überschaubarer Aufwand müsste dann noch in die Festlegung der „Spielregeln“ investiert werden, denn es wäre zu vermeiden, dass schwarze Schafe die neu zu schaffende Institution später durch ihre Geschäftspraktiken in Verruf brächten. Auch der Nachfrager ist ja nicht nur an der puren („Mit allem anderen haben wir nichts zu tun!“) Bereitstellung von Kontaktadressen interessiert, sondern verbindet mit dem Organisator auch eine gewisse Seriösität des Angebots, auch wenn dies mit dem Organisator des Angebots weder rechtlich noch sonstwie zu tun hat. Aber hierin findet sich auch die Chance, durch eine geeignete Weise das Seriösitätsimage der Publikation an sich aufzubessern. Ich denke hier an vertragliche Vorgaben (AGB-Inhalte, Preisfenster u.ä.) und die Erhebung einer Schutzgebühr, über die dann z.B. die Identität den Anbieters überprüft und eine vertragliche Vereinbarung mit ihm getroffen wird, so dass die simplen Formen der Bescheißerei wirksam unterdrückt werden.

Aufbau der nötigen Qualifikation

Beinahe noch interessanter erscheint mir für eine Fachzeitschrift die Möglichkeit, durch gezielte Qualifikation der Anbieter Leser an sich zu binden. Dies setzte zunächst eine Definition unterschiedlicher Anforderungsprofile voraus. Diese würden dann auch den Nachfragern gegenüber kommuniziert. Jeder Interessent könnte sich heraussuchen, was er benötigt, und dann einigermaßen sicher sein, diese Qualifikation auch zu bekommen. Die Artikel der Publikation würden dann jeweils klassifiziert, so dass die Leser (in diesem Fall die (potentiellen) Anbieter) wüssten, welche Artikel gelesen werden „müssten“, um eine bestimmte Qualifikation zu erreichen. Die Artikel könnten dann noch mit einem Punktesystem versehen werden, dass dem Leser einen Anhaltspunkt gibt, wie weit er vermutlich ist. Denkbar wäre auch eine Online-Prüfung, in der Testfragen zu beantworten wären. Dieses Verfahren wäre natürlich nicht gegen Täuschungen gefeit, aber es ginge ja auch nicht um die Verleihung eines offiziellen, bedeutsamen Zertifikats. Vielmehr dürften viele ambitionierte Leser so etwas als wilkommene Möglichkeit zur objektiven Überprüfung ihrer Fähigkeiten ansehen. Auch hierfür ist eine geringe Schutzgebühr denkbar (etwa einmalige Zahlung für „beliebig“ viele Versuche), immerhin wäre die Erstellung so eines Tests durchaus aufwendig. Das nötige Know-How könnte aber zumindest teilweise an professionelle Linux-Dienstleister „outgesourcet“ werden, zu denen bereits eine gute Beziehung besteht oder aber angepeilt ist.

Die Publizierung im Internet bietet darüber hinaus die Möglichkeit, über Logins oder Cookies den (trotzdem anonymen) Lesern ihr persönliches Leseprofil anzuzeigen. Die Verleihung von Zertifikaten könnte Leser wiederum zur Aktivität in Web- und Newsforen, die zur Publikation gehören, anspornen, wenn ihr „Rang“ dort angezeigt wird. Auf diese Weise ließe sich für die Redaktion auch überprüfen, ob die teilnehmenden Leser den rangentsprechenden Erwartungshaltungen einigermaßen gerecht werden.

Nachträgliches

Im Linux-Bereich erschien mir der Bedarf an einer solchen Einrichtung offenbar. Dieses Projekt muss aber nicht als abgeschlossen betrachtet, sondern kann durchaus als Testfall genutzt werden, denn die Idee lässt sich natürlich auf andere Thematiken übertragen.

Sollte sich dieses Angebot zu einem Tummelplatz für (auch) wirklich qualifizierte Leute entwickeln - das ließe sich ja über das Artikelangebot ansteuern, falls sich entsprechende Chancen nach einer Einführungsphase auftun - , so wäre mit erheblichen Einnahmen durch Bannerwerbung seitens Personaldienstleistern zu rechnen.