10.10.2000

Sehr geehrte Damen und Herren,

beim heutigen Durcharbeiten des SPIEGEL kam mir eine Idee, die Ihnen eventuell Kosteneinsparpotentiale eröffnet. Es geht mir um Krankheiten, die peinlicherweise oftmals lange Zeit wegen völlig falscher Diagnose in unbrauchbarer Weise behandelt werden. Diesmal ging es um Wundenheilung, aber das ist nicht weiter wichtig.

In erster Linie ist es natürlich schade um die Patienten, der nächste Gedanke ist, dass es ein miserables Bild des Medizinerstands zeichnet, dass so etwas anscheinend des öfteren vorkommt (ich bin diesbezüglich aber kein Insider - und vielleicht übertreiben die lieben Kollegen aus Hamburg auch einfach nur maßlos).

Die Warte, von der das Problem am ehesten zu packen sein könnte, ist meines Erachtens das liebe Geld. Was muss es kosten, wenn Patienten jahrelang falsch behandelt werden? Ich meine jetzt zunächst die direkten, rein medizinischen Kosten durch die Behandlung. Gerade irritierend chronischen Gesundheitsbeeinträchtigungen wird im Laufe der Zeit vermutlich mit der ganzen Latte kostentreibender Medizin-Hightech zugesetzt. Hinzu kommen sicherlich noch beträchtliche Summen durch Ausfallzeiten und Produktivitätsverlust, wobei aber nur ersteres interessant sein dürfte, weil hier die Betroffenen Parteien zur Umsetzung meines Vorschlags mit herangezogen werden könnten.

Ich habe mich nun gefragt, was so ein Spezialist, der nach langer Zeit den Patienten von seinem Leiden erlöst - tragikomischerweise oftmals mit einer kostengünstigen Therapie - mit seinem Wissen um den Spießrutenlauf seines Patienten durch das deutsche Gesundheitswesen anstellt. Üblicherweise wohl nichts. In seltenen Fällen wird es mal dem SPIEGEL erzählt, aber viel ändern wird das auch nicht. Ich sehe ein potentiell großes Problem darin, dass für diese Spezialisten kein Anreiz besteht, die beteiligten Ärzte freundlich auf ihr Totalversagen aufmerksam zu machen - nicht wegen der Information an sich, sondern wegen der Wiederholungsvermeidung durch Beibringung der nötigen Kenntnisse (und wenn diese nur die Überweisung an den Spezialisten darstellen - je früher, desto billiger).

Ich möchte Ihnen antragen, einmal folgendes Szenario durchzurechnen: Lohnt es sich unterm Strich, eine Abrechnungsziffer für solche Information "von oben nach unten" einzuführen?

Dies hängt - für jede einzelne Problematik - von folgenden Parametern ab:

Neben dem primären Ziel, einer Einsparung durch zukünftig geeignetere Behandlungen, könnte auf einen interessanten Nebeneffekt spekuliert werden: Die Etablierung dieses Verfahrens könnte bei Teilen der Ärzteschaft das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Weiterbildungsmaßnahmen schärfen. Ach, wo ich's erwähne: In diesem Zusammenhang wäre es interessant zu ermitteln, ob sich relevante Korrelationen zwischen z.B. der Zeit seit Studienabschluss und der Anzahl bestimmter Weiterbildungsmaßnahmen auf der einen und den durchschnittlichen Fallwerten gleicher Patientengruppen finden lassen. In diesem Fall wäre es denkbar, dass es sich für die Krankenversicherer lohnte, (bestimmte) Ärzte(gruppen) für die Teilnahme an solchen Veranstaltungen zu bezahlen.

Ich würde mich freuen, wenn Sie in meiner Darstellung sinnvolle Anregungen für Ihre Arbeit sehen, und wäre für einen qualifizierten Kommentar dankbar.



Mit freundlichen Grüßen

Hauke Laging