Konzept zur wesentlichen Effizienzsteigerung des GiroVend-Systems

Version 1.0, 14.12.2002, Hauke Laging, hauke@laging.de, Tel.: 030/32603660

Ich bin seit ein paar Jahren Student an der TU Berlin und habe somit das zweifelhafte Vergnügen, regelmäßig Kunde der örtlichen Mensa zu sein, die Ihr GiroVend-System einsetzt. Neben den Anschaffungs- und Wartungskosten dürfte für die Mensa - wie Sie auf Ihrer Webseite schon andeuten - der Durchsatz die entscheidende Größe sein.

praktische Probleme

Wenn man sich den Kassierzyklus mal im Detail ansieht, stellt man fest, dass die Kassierer(innen) nur einen Bruchteil der Zeit mit ihrer eigentlichen Arbeit beschäftigt sind:

  1. Student ist an der Reihe

  2. Ihm fällt ein, dass er ja seine GiroVend-Karte braucht (OK, worst case, kommt aber oft genug vor)

  3. Er steckt die Karte falsch herum rein (kommt ständig vor)

  4. Irgendwann ist die Karte korrekt drin.

  5. Student wartet, bis er den Eindruck hat, seine Karte wieder entnehmen zu können

  6. Student steckt seine Karte wieder ein oder geht zumindest nur langsam los, weil er ja noch mit dem Wegpacken seiner Karte beschäftigt ist

  7. Das Drama wiederholt sich

Alles in allem liegt die Auslastung der Kassiererin wohl im Bereich von 25-50%.

Anforderungen an einen optimalen Ablauf

Alternative

Ich schlage vor, dass GiroVend-System folgendermaßen umzubauen:

Die Tabletts sollten von den Kunden nicht mehr selber geschoben, sondern automatisch transportiert werden. Dies kann durch ein simples Fließband mit geeigneten Trennelementen, die etwa Tablettlänge Abstand haben, erreicht werden.

Die wesentlichste Änderung ist eine zum Tabletttransport parallele Transportschiene für die Bezahlkarten. Etwa in der Mitte jedes Tablettbereichs (der eindeutigen und leichten Zuordnbarkeit halber) wäre ein Schlitz für die Karte. Diese würde dann parallel, also mit derselben Geschwindigkeit, zum Tablett weiterbewegt.

Eine sicherlich einfach zu haltende und daher billige Elektronik würde an mehreren Stellen vor dem eigentlichen Kassenbereich prüfen, ob die Karte korrekt eingesetzt ist, und gegebenenfalls den Kunden in geeigneter Weise auffordern, dies zu korrigieren.

Die Kartenschlitze sollten mit einer gut sichtbaren Farbcodierung versehen sein, damit die Kassiererin sie leicht, schnell und eindeutig (entsprechende Tasten an der Kasse) den Kassiervorgängen zuorndnen kann (also nicht immer "an derselben Stelle" kassieren muss). Dadurch ist der Flaschenhals des Wartens der Kassiererin auf ihre Kunden weitestgehend eliminiert. Die Laufgeschwindigkeit des Bands würde der Geschwindigkeit der Kassiervorgänge automatisch angepasst. Schlimmstenfalls - Kunde hat zum spätestmöglichen Zeitpunkt immer noch nicht seine Karte an der richtigen Stelle - müsste das Band angehalten werden. Dies wäre automatisch oder manuell denkbar, ersteres auf einem Sensor basierend, der erkennen kann, ob sich in einem bestimmten Transportabschnitt ein Tablett befindet (Halt bei Tablett und keiner Karte).

Die eigentliche Elektronik zur Bearbeitung der Karten wäre relativ weit hinten im System angeordnet, um den Vorteil der korrekten Platzierung der Karte in der Vorlaufzeit maximal zu nutzen.

Zu überlegen wäre, wie man den Ausgangsbereich gestaltet; die Tabletts dürfen ja nicht vom Förderband geschmissen werden, nur weil der Kunde zu lange für das Besteckeinsammeln benötigt. Die praktische Relevanz dieses Problems hinge zum Großteil an der Laufgeschwindigkeit des Bandes. Denkbar wären aber Varianten der automatischen Zwischenlagerung in einem dynamischen Stapel oder die Verteilung auf mehrere Entnahmebänder (sodass die Kunden auf beiden Seiten der Kasse entlanggehen.

finanzielle Aspekte

Natürlich erhöht sich die Komplexität des Systems und damit erhöhen sich auch seine Kosten. Aus der Sicht von Kunden mit hohem Durchsatz (vor allem Mensen) ist aber entscheidend, dass ein erheblicher Teil der Kassierkräfte eingespart werden kann (ich denke, etwa die Hälfte), was hohe monatliche Einsparungen mit sich bringt. Außerdem benötigt der Kunde natürlich entsprechend weniger Geräte für weniger Kassenplätze, weniger Raum und sonstige Installationen.

Dass der Kunde weniger Geräte benötigt, liegt natürlich nicht im ureigensten Interesse des Herstellers, aber der Markt erfordert im Zweifelsfall die Anpassung an neue Techniken. Außerdem kann ein großer Teil der Umsatzeinbußen durch höhere Gerätepreise aufgefangen werden. Diese neuen Preise würden sich ja weniger an den Fertigungsmehrkosten orientieren, die vermutlich gering ausfielen, sondern an den Einsparpotentialen der Kunden.

Entwicklungs- und Fertigungskosten

Der Zusatznutzen für den Kunden entsteht bei diesem Vorschlag nicht durch eine Technologie-, sondern eine Prozessinnovation. Dementsprechend ist die benötigte Technologie wenig anspruchsvoll und damit kostengünstig. Es werden vor allem einfache mechanische Systeme benötigt. Hinzu kommen die Sensoren zur Feststellung der Kartenorientierung im Schlitz und ggf. die zur Erkennung von Tabletts. Die wesentliche Neuentwicklung läge in der neuen Schreib-Lese-Einheit, die möglichst per Durchziehen funktionieren sollte. Denkbar wäre natürlich, die Karten an der Stelle kurz anzuhalten und anschließend beschleunigt weiterzutransportieren, damit sie "ihre" Tabletts wiedereinholen. Alternativ könnte man zwei Schreib-Lese-Einheiten hintereinander platzieren, je nachdem, was sich als günstiger erweist. Eine geringfügige, nichtsdestotrotz (aus prinzipiellen, nicht aus konkreten Erwägungen) nicht zu unterschätzende Modifikation wäre die Integration der Farbcodierung/Tablettauswahl in das Kassensystem. aber vielleicht haben Sie ja auch noch Tasten frei...

Skizze