kleine Anregung zur AIDS-Kampagne

E-Mail an die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 22.06.2005


Sehr geehrte Damen und Herren,

mir ging kürzlich folgendes durch den Kopf, vielleicht können Sie das irgendwie sinnvoll verwerten.

Mir scheint, dass Sie durchaus recht haben mit Ihrer Aussage, dass Ihre bisherigen Aktivitäten "wesentlich zur Enttabuisierung des Kondoms als ein Bestandteil des täglichen Lebens beigetragen" haben, aber reicht das aus, kann das das Ziel sein?

Meine Wahrnehmung ist die, dass es zwei Modelle von Sexualität gibt, mit denen die Menschen durch die Medien konfrontiert (und davon sicherlich geprägt) werden: die schöne, coole, die Spaß macht, die Film, Fernsehen und Illustrierte präsentieren und die vernünftige, verantwortungsvolle, die Sie mit viel Geldeinsatz plakatieren.

Was aber wird wohl das Gefühlswesen Mensch stärker beeinflussen? Wäre es die Vernunft, nun ja, dann hätten wir wohl alle diese Probleme nicht.

Ich denke, dass der Weg zu einer zufriedenstellenden "Safer-Sex-Quote" (oder wie nennen Sie das?) in zwei Schritten erfolgt, von denen Sie den ersten mehr oder weniger erfolgreich absolviert haben.

Was meines Erachtens fehlt, ist, dass der Gebrauch von Kondomen weit über die Enttabuisierung (in jedweder Hinsicht) hinaus mit zum Teil der Zielvorstellung werden sollte. Sicher gibt es kaum jemanden, der Kondome erotisch findet und ihnen haftet auch das Image von "Sex zweiter Klasse" an, aber ist das größere Problem nicht, dass sie im allgemeinen Bild von Sex nicht vorkommen?

Ich will auf folgendes hinaus: Wie viele Kondome begegenen Ihnen bei den 50 Sexszenen, die das deutsche Abendprogramm so zu bieten hat? Eben. Ich möchte deshalb hiermit anregen, dass Sie mal prüfen, ob es nicht erstrebenswert und inwieweit es praktikabel (d.h. v.a. finanzierbar) wäre, bei den Filemmachern auf dieses kleine Detail hinzuwirken. Auf die Kinofilme haben Sie sicher keinen Einfluss, aber viel wird auch in Deutschland produziert bzw. unterliegt einem starken Einfluss der deutschen Sender.

Das hat auch eine politische Komponente, nicht nur eine finanzielle: Freiheit der Kunst hin oder her, warum sollte die Filmförderung nicht wenigstens zum Teil an derartige Kriterien gekoppelt werden? Fragen kostet nichts, und alleine der Versuch dürfte einigen Staub aufwirbeln, der Sie in der gegenwärtigen Situation nur voranbringen kann.

Wenn Kondome eines Tages "cool" sind, haben Sie gewonnen.



Mit freundlichen Grüßen

Hauke Laging